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Anja Schrey. Echo 07. Dezember 08 - 14. Februar 09
Eröffnung der Ausstellung am 7. Dezember 2008 um 18:00 Uhr.

Anja Schreys Zeichnungen sind groß, weit über lebensgroß, wenn nicht sogar monumental. Bei »Liegende III« zeigt sie uns eine Frau mit brünettem, offen getragenem Haar, die bekleidet ist mit einem blauen Strickpullover und einem rosaroten Rock. Barfuß liegt sie mit dem Rücken zum Betrachter auf einem weißen Boden in einem weißen Raum. Ihre Körpersprache kündet von Abgewandtheit und entspanntem Bei-sich-Sein, provoziert beim Betrachter somit aber auch das Gefühl, bei einer weiteren Annäherung aufdringlich zu werden und die Dargestellte in ihrer Versunkenheit oder auch ihrem Schlummer zu stören.

Andererseits fasziniert die Art der Darstellung. Mit feinen Buntstiftstrichen ist Linie für Linie auf das Papier gesetzt, um Licht- und Schattenzonen zu schaffen, Körperlichkeit vor weißem Hintergrund zu erzeugen und durch Parallelverläufe, Schraffuren und Kreuzstriche stoffliche Oberflächen so perfekt zu illusionieren, dass sie greifbar scheinen. Jedes Haar, jede Masche, jede Faser ist gezeichnet. Und lädt ein, sie einzeln zu betrachten.

Ein weiterer Aspekt dieser Zeichnungen erschließt sich, wenn man feststellen darf, dass es sich um Selbstporträts handelt. Hierfür wurde das Atelier zur Bühne, auf der mit ausgesuchten Kleidungsstücken bekleidet Körperhaltungen gesucht und eingenommen wurden, um sie fotografisch festzuhalten. Diese sorgfältigen Inszenierungen und Choreographien überträgt Anja Schrey von Fotos auf das große Papierformat. Und dies mit Bedacht. Denn es wäre ein Leichtes, das gewählte Foto zu vergrößern. Durch das Zeichnen aber eignet sie sich das fotografische Abbild und den auf ihm festgehaltenen besonderen, wenn nicht gar unwiederbringlichen Moment an. Ihre Art des Zeichnens, dem Kupferstich durchaus verwandt, erfordert Geduld und sehr viel Zeit. Durch Konzentration und Kontemplation erwächst aus dem technischen Abbild ein zutiefst persönliches Bild.
Die Zeichnungen von Anja Schrey fordern eine andächtige Betrachtung. Dabei gerät die und das Dargestellte, aber auch ihr Echo, nämlich die zeichnerische Darstellung, in das Zentrum des Interesses. Der Beschauer erfährt seine Anteilnahme an alltäglich scheinendem, aber wohl konzipiertem, nach formalen Gesichtspunkten inszeniertem und zeichnerisch überhöhtem Privaten und Persönlichen.

Zur Ausstellung erscheint ein Katalog (die ersten zwanzig Exemplare als signierte und nummerierte Vorzugsausgaben).


Zur aktuelle Ausstellung auf dem Spitalplatz Skulptur „ZIBONIKE“  von Robert Schad