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Lois Renner

22.9. - 19.11.2000 Kunsthalle Göppingen

Vom 22. September bis 19. November zeigte der Kunstverein Göppingen in den Räumen der Kunsthalle Göppingen eine Ausstellung des österreichischen Künstlers Lois Renner. Die Eröffnung findet am Freitag, dem 22. September um 19.30 Uhr statt. Die Begrüßung erfolgte durch Anita Jaumann vom Kunstverein Göppingen und Bürgermeister Jürgen Lämmle. Zur Einführung spricht Dr. Rudolf Sagmeister, Kurator am Kunsthaus Bregenz.

Lois Renner, 1961 in Salzburg geboren, studierte als Schüler Gerhard Richters an der Kunstakademie in Düsseldorf. Heute lebt und arbeitet er in Wien. In der Kunsthalle Göppingen stellt er vor allem großformatige Fotoarbeiten aus. Beim ersten Hinsehen Die Aufnahmen zeigen scheinbar gewöhnliche Darstellungen von Künstlerateliers. Aber die in ihren Maßstäben völlig unterschiedlichen Einrichtungsgegenstände verwirren die räumliche Logik, mit der man der Realität begegnet. Überdimensionale Werkzeuge oder Teetassen liegen in im Verhältnis viel zu kleinen Atelierräumen; der Betrachter denkt an Fotomontagen oder digitale Bildverarbeitung.

In Wirklichkeit baut Lois Renner in seinem Wiener Atelier im Maßstab 1:10 das alte Atelier im Salzburger Haus seiner Eltern nach. Dieses detaillierte und immer veränderbare Modell wird fotografiert. In neueren Arbeiten wird immer mehr auch der reale Atelierraum als Motiv mit einbezogen. Private Einrichtung wird gezeigt, Maschinen, Werkzeuge, proportional verkleinerte eigene Bildzitate und Miniaturreproduktionen anderer Kunstwerke, von Rubens bis zur Freiheitsstatue. Renner verwendet also aus anderen Atelierdarstellungen in der Kunstgeschichte bekanntes Material, allerdings in manipulierter, mutierter Form.

Lois Renner zeigt nicht nur Fotografie, sondern auch Gemälde. Eigentlich geht es um Malerei. Die Fotografie stellt für ihn, wie auch das Erbauen des Modells, nur ein neues Mittel der Malerei dar. Lois Renner konstruiert den Bildaufbau nach Prinzipien der zweidimensionalen Fläche, beschäftigt sich mit Perspektive und Komposition. Ebenso arbeitet er mit Farbe: Was zunächst wie eine zufällige Anordnung im kreativen Chaos des Ateliers wirkt, ist eine sorgfältige Verteilung von Farben und Formen im Bildraum.

Seine Vorgehensweise - ein Bild zu schaffen durch das Zusammenwirken von Skulptur, Fotografie und das strukturierende Motiv des "Bild im Bild" - ermöglicht es Lois Renner, den Werkprozess zu veranschaulichen und ihn zum Bildgegenstand zu machen. Die Durchdringung der verschiedenen Realitätsebenen weist über die konventionelle Wahrnehmung hinaus. Das Motiv des Ateliers, Sinnbild schlechthin für die künstlerische Tätigkeit, wird zum vielschichtigen Bildkomplex, in dem die künstlichen Grenzen zwischen Produktion, Präsentation und Rezeption der Kunst ineinander fließen